Vor 2 Wochen machten wir mit dem Auto in der naeheren Umgebung von Lima einen kleinen Ausflug in die Berge. Auf dem Rueckweg bin ich im Dunkeln auf einer ausgebauten Strasse fast in eine Prozession hineingerauscht, die gaenzlich unbeleuchtet, seelenruhig und ohne Begleitfahrzeuge, Polizei oder dergleichen palmwedelschwenkend die gesamte Fahrbahn fuer sich in Anspruch nahm. Da ich eh schon recht vorsichtig und langsam unterwegs war, bin ich beim Ausweichmanoever nur in einem Sandstreifen gelandet, habe aber trotzdem sehr unflaetig ueber diese Brueder und Schwestern geschimpft. Hinter mir sah ich dann noch einige Lichtkegel von Fahrzeugen, die eine aehnliche Flugbahn nahmen und von diesen freundlichen Leuten unbeirrt vom zuvor Geschehenen gleichermassen abgeschossen wurden. Sicherlich hatten die Herrschaften allerhoechsten Segen und die tiefste Ueberzeugung fuer ihr Tun und Lassen und waren zudem bereit, den Märtyrertod zu sterben. Aber ich habe einfach was dagegen, ungefragt in den Himmel geschickt zu werden. So muss man also nur mit einer hinreichenden Anzahl Gleichdenkender hosianna-singend durch die Wueste ziehen - und die Gesetze, besonders die der Strasse und der Physik, nehmen - wenn nicht fuer die Unglaeubigen, so doch fuer einen selbst - wohlwollend einen anderen Lauf. Und wenn etwas passiert, waren es sowieso immer Anderen.

Was kann einem noch so auf Perus Strassen begegnen?

Abgrundtiefe Schlagloecher, die garantiert jede Achse brechen. Das ist besonders im Dunkeln lustig.
Offene Gullis (wegen der geklauten Kanaldeckel). Die haben einen aehnlichen Effekt.

Steine und Felsbrocken in jeder Groesse. Nicht nur in den Bergen.

Betrunkene, die auf der Fahrrbahn laufen, liegen, schlafen, etc.

Unbeleuchtete Fahrzeuge, die einem entgegenkommen – und zwar nicht selten auf der gleichen (!) Fahrspur. Meistens handelt es sich hierbei um Mototaxis, also 3-raedrigre Motorraeder. Es kann aber auch mal ein 30-Tonner-LKW sein.

Verlorenes Transportgut, Stahlschrott, Naegel, Schrauben, etc.

Huefthohe Stahl- oder Betonpfosten, die genau am Rand der asphaltierten Spur einbetoniert sind – am liebsten an einer unbeleuchteten Stelle - oder auch mal mitten (!) in einer Parkbucht. So habe ich mir mal den einen Aussenspiegel abrasiert…

Kleinbusse (Micros), fuer die allgemeine weltliche Verkehrsregeln NICHT gelten. Gerne rasieren sie einem dem anderen (...) Aussenspiegel ab und hauen dann ab. Sie blockieren in der Rush hour auch gerne mal 4 Fahrspuren, nur um sich die Fahrgaeste gegenseitig wegzuschnappen, Fahrgaeste aussteigen zu lassen (mitten auf der Fahrbahn, wenn es sein muss), usw.

Eine beliebte Methode von Taxistas und Microbusistas ist auch, 10 Meter vor dir auf deine Fahrspur zu ziehen, wenn du gerade mit 60km/h daher kommst. Die Vollbremsung mit rauchenden Reifen traegt garantiert zur Erheiterung der Wartenden bei. Polizei steht plaudernd daneben....

Das langsamste Fahrzeug fahrt grundsaetzlich immer auf der LINKEN Fahrspur. Ganz rechts fahren Micros und Taxis, die staendig anhalten. Bleibt also nur die mittlere Spur – wenn eine da ist. Dort liefern sich dann die LKWs ihr Elefantenrennen, ueberholen sich alle uberigen, usw. Das ist wohl auch der Grund, warum auf 3 Fahrspuren grundsaetzlich 6 bis 8 Fahrzeuge NEBENEINANDER fahren.

Streiks und Proteste. Hierbei werden gerne (und meist ohne Genehmigung) Fahrbahnen blockiert. Geraet man als Autofahrer da hinein, kann es sein, dass einem die aufgebrachte Menge das Auto kaputt schlaegt, auch wenn im Auto ein Sympathisant der gleichen Partei, Bewegung oder dergleichen oder Frauen und Kinder sitzen. Da wird offensichtlich nicht lange differenziert…

Liste nicht abschliessend…